Der Untergang der Titanic



Es war nicht die Kollision selbst, sondern die Stille, nachdem die Maschinen der Titanic abgeschaltet wurden, die die Passagiere, die noch wach waren, ahnen ließ, dass etwas nicht stimmte. Eine plötzliche Panik brach nicht aus – wahrscheinlich, weil sich die Passagiere auf ihrer schwimmenden Stadt bei ruhiger See in einer sternenklaren Nacht sicher wähnten. Doch das Schiff war leck geschlagen; unter Deck ergoss sich das Meer ins Innere und bedrohte die Kesselräume.
 
Es dauerte nicht lange, bis Telegrafen klingelten und sich Wasserschutztüren schlossen. Die Heizer und Maschinisten hatten alle Hände voll zu tun, den Dampfdruck konstant zu halten, die Lichter am Erlöschen zu hindern und die Pumpen am Laufen zu halten. Kapitän Smith ließ Thomas Andrews rufen, der unter Deck ging, um den Schaden zu begutachten. Sein Urteil ging ebenso durch Mark und Bein wie die Kälte der Nacht um sie herum. Das Schiff würde nicht länger als ein paar Stunden über Wasser bleiben können.
 
Es dauerte seine Zeit, bevor die Passagiere den Ernst der Lage erfassten, und ihre Aufmachung – sie erschienen in Schlafanzügen, Kimonos, Smokings, Abendkleidern und mit Filzpantoffeln – ließ die Szene noch unwirklicher erscheinen: „Wie ein Theaterstück, das zur allgemeinen Unterhaltung aufgeführt wurde“, versuchte es ein Überlebender in Worte zu fassen. Doch es wurde bitterer Ernst daraus, als die Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden – gefüllt mit Frauen und Kindern oder, wie sich später herausstellte, nur halb oder mit Männern statt Frauen besetzt. Es gab Zeugenaussagen über eine Panik an Bord und die Inkompetenz einiger Besatzungsmitglieder. In der Zwischenzeit wurden aus dem Marconi-Verschlag Notsignale per Funk abgegeben: zunächst CQD, das Notrufsignal der Firma Marconi, und dann das neue internationale Notrufzeichen SOS. Die Eindringlichkeit dieser Signale rührt auch heute noch an. Sie wurden am 15. April von fünfzehn Minuten nach Mitternacht bis 2:17 Uhr gesendet, als die Virginian ein CQD der Titanic empfing und beantwortete – jedoch scheinbar ins Nichts. Um 1:40 Uhr funkte die Olympic aus einer Entfernung von 804 Kilometern: „Heizen alle verfügbaren Kessel und kommen so schnell wie möglich.“ Doch es war bereits zu spät. Die Menschen in den Rettungsbooten sahen machtlos zu, wie die Titanic kippte und sich aufrichtete, mehrere Minuten lang regungslos senkrecht stand, ihr riesiges Heck hoch in den Nachthimmel gerichtet, und dann in die Tiefen glitt und schließlich verschwand. Die Titanic sank um 2:20 Uhr.
 

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Kommentare von Benutzern 1

Toller Text nur es fehlt das die Titanic in 2 Teile zerbrach.
Tina 21 Mai 2012
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